Thermodynamik realer Gemische (TDG)

Die Genauigkeit bei der Berechnung eines thermodynamischen Verfahrens hängt direkt davon ab, wie genau das jeweils gewählte thermodynamische Modell das wirkliche Stoffverhalten beschreibt. Die Lehrveranstaltung TDG gibt dem Studenten das notwendige Rüstzeug in die Hand, um fundiert die Wahl der "geeigneten" Thermodynamik durchführen zu können. Hierzu ist die Vorlesung in vier Teile gegliedert, wobei der ersten beiden Teile als klassische Vorlesung im Hörsaal stattfinden und die letzten beiden Teile als praktische PC-Übung im PC-Pool durchgeführt werden.
Im Hörsaal werden die wichtigsten Grundgleichungen, Fundamentalgleichungen und Kenngrößen der Thermodynamik abgeleitet (zum Teil ist dies eine Wiederholung des Stoffes aus der physikalischen Chemie). Es werden die einzelnen thermodynamischen Modelle und ihre Vor- und Nachteile durchgesprochen. Außerdem wird behandelt, für welche Stoffgruppen die einzelnen Modelle optimiert wurden.
Die Anwendung der Modelle auf Mehrphasenberechnungen wird dann im PC-Pool mit dem Simulationsprogramm DISTIL der Firma Aspentec und mit Excel durchgeführt. Hier werden wichtige Aspekte der Gleichgewichtsthermodynamik auf der Basis der verschiedenen Modelle durchgerechnet und kritisch verglichen. Mehrphasen-Gleichgewichte im unterkritischen und kritischen Druckbereich ohne und mit Phasentrennung (Dampf-Flüssig-Flüssig-Gleichgewichte) werden berechnet, grafisch dargestellt und diskutiert.

Teil 1: Grundlegende Gleichungen
Hauptsätze; Fundamentalgleichungen für U, H, A und G; die partiellen Ableitungen der Energiegrößen; Eulersche Gleichung; Gleichung von Gibbs-Duhem und Duhem-Margules; Eigenschaften des chemischen Potenzials; die Gleichgewichtsbeziehungen; Fugazität und Aktivität; Mischungs- und Zustandsgrößen; das chemische Gleichgewicht; Reaktionsenergie

Teil 2: Die thermodynamischen Modelle
Modelle mit Zustandsgleichungen:
Liquid Activity Methode (NRTL, UNIQUAC, UNIFAC, van Laar, Wilson, Margules)

Teil 3: Phasengleichgewicht und Phasenzerfall
Dampf-Flüssigkeits-Gleichgewichte im unterkritischen und kritischen Druckbereich für 2- und 3-Stoffsysteme; Flüssig-Flüssig-Gleichgewichte und Dampf-Flüssig-Flüssig-Gleichgewichte; Prüfung von Gleichgewichtsdaten auf thermodynamische Konsistenz

Teil 4: Projektteil
Das gewählte Beispiel variiert von Semester zu Semester. Das Beispiel muss von den Studenten als Semesterarbeit gründlich bearbeitet und besprochen werden (schriftlich). Die Semesterarbeit gilt als Leistungsnachweis und wird benotet.